S_Bahn_Stuttgart

Die Stuttgarter Zeitung druckte am 15.11.2015 den folgenden Leserbrief ab:
Plötzlich Spendierhosen bei der DB?

Im Drogeriemarkt, im Milaneo, im Hotel, der Tanke und der Kneipe gibt es kostenloses WLAN, nun soll es auch in der S-Bahn kommen. Plötzlich Spendierhosen bei der DB und dem Regionalverband? Nein, der Kunde zahlt mit seinen Daten. Das persönliche Surfverhalten in Google, Facebook oder WhatsApp, die Bewegungsprofile werden zusammen mit der ID-Kennung gespeichert. Diese Daten sind Gold wert, damit wird gehandelt. Für WLAN und seine Anbieter gibt es keine Datenschutzbestimmungen. Der gläserne Bürger – sein digitaler Zwilling – sind ein Traum für die Sicherheitsbehörden, die Werbebranche, den Handel und natürlich für die Bahn, die kostenlos personalisierte, unverschlüsselte Kundenbewegungsdaten erhält. Das ist NSA im kleinen.

Das zweite Risiko ist die Strahlenbelastung. Für WLAN gibt es keine Strahlenschutzbestimmungen. Ein paar hundert Fahrgäste surfen in Faradayischen Käfig S-Bahn, ein Strahlengewitter aus gepulster Mikrowellenstrahlung. Das Umweltbundesamtes warnt: „WLAN-Access-Points, WLAN-Router und Basisstationen von Schnurlostelefonen kommen am besten in den Flur oder einen anderen Raum, in dem man sich nicht dauernd aufhält“. Denn die Forschungslage zur WLAN – Frequenz ist eindeutig: In der WHO-Referenz Datenbank liegen Erkenntnisse aus mehr als 50 Studien vor, die meist unterhalb der Grenzwerte nachweisen, dass es zu Konzentrationsstörungen, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Spermienschädigungen bis hin zu DNA-Strangbrüchen und damit zu Krebs führen kann, vor allem auch durch die körpernahe Nutzung der Endgeräte (s. dazu www.mobilfunkstudien.de). Vor den Langzeitwirkungen wird gewarnt.

Die Europäische Umweltagentur verglich diese Strahlungsart aufgrund der Forschungslage schon 2007 mit Asbest, 2013 stufte sie die Handystrahlung als Risikotechnologie ein, die WHO 2013 als möglicherweise krebserregend. Das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlichte im März 2015 eine Studie (Lerchl et al. 2015) mit der Kernaussage, dass die krebsfördernde Wirkung unterhalb der Grenzwerte als gesichert angesehen werden muss. Ganz aktuell, am 12.10. 2015, publiziert die Zeitschrift „Nature“ in den Scientific Reports einen Artikel zu nachgewiesenen Mechanismen, die durch die Polarisation der technisch erzeugten nicht-ionisierenden Mobilfunk – Strahlung zu gesundheitsschädlichen Auswirkungen führen.
Und nicht zuletzt: Die Nutzer, vor allem Kinder und Jugendliche, werden durch das „kostenlose“ WLAN überall zum Suchtverhalten verführt, mit der Droge Smartphone immer online zu sein.
Angesichts dieser Risiken, die den Stuttgarter Behörden auch durch Besprechungen mit unserer Bürgerinitiative bekannt sind, ist diese geplante Einführung unverantwortlich. Die Bahn und der Regionalverband müssen dazu Stellung beziehen.
Übrigens gibt es eine zukunftsweisende, verträglichere und abhörsichere Technologie: die optische drahtlose Datenkommunikation VLC (Visible Light Communication), die im Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin bereits anwendungsreif entwickelt wurde (www.hhi.fraunhofer.de).

Peter Hensinger
Sprecher der Bürgerinitiative Stuttgart-West“