Die Behörden schützen sich gegen Kritik und Proteste mit einem Totschlagargument: Die Grenzwerte werden eingehalten. Ob bei Radar, Röntgenstrahlung, Niederfrequenz, Hochspannungsleitungen, Atomkraftwerken – die herrschende Wissenschaft gab immer zuerst die Antwort: Keine Gefahr – die Grenzwerte schützen!

Doch dem muss man entgegenhalten: Es gibt bei künstlich erzeugter Strahlung kein risikofreies Expositionsniveau, Grenzwerte legen lediglich das Verhältnis von Nutzen und Risiko fest. Bei UMTS ist der Grenzwert auf knapp 10.000.000 µWatt/m2 (61 V/m) festgelegt. Der BUND fordert Grenzwerte von 100 µWatt/m2 zur Gefahrenabwehr und 1 µWatt/m2 als Vorsorgewert.
Die gültigen Grenzwerte sind so, als würde man die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Straßen auf 990 km/h festlegen. Dann würde es keine Überschreitungen mehr geben und jeder könnte tun und lassen, was er will.

Die Grenzwerte, bedingt auch der SAR-Wert für Handys, schützen nur vor einem Effekt: dem der Gewebeerwärmung durch die Strahlung. Sie orientieren sich nur an thermischen (Wärme-) Wirkungen der Mikrowellenstrahlung. Sie schützen also vor etwas, was letztlich bei Handys und Masten keine primäre Gefährdung darstellt: Wärme. Die Erwärmung als Maßstab der Gefährlichkeit zu nehmen, wäre so, als würde man die Dosis, Wirkung und Höhe radioaktiver Strahlung bei einem AKW-Angestellten mit einem Fieberthermometer statt dem Geigerzähler und einem Spezialdosimeter messen und bewerten. Die schädigenden Effekte treten durchweg im nicht-thermischen Bereich auf, sind also nicht durch Temperaturerhöhungen erklärbar. Dass die Grenzwerte die nicht-thermischen Effekte der Mobilfunkstrahlung, und damit die Biologie ausklammern, zeigt ihre Absurdität. Sie vernachlässigen wesentliche Einflussgrößen der Strahlung auf die Biologie des Menschen.

Die Grenzwerte erfassen

• nicht die athermischen Wirkungen der Strahlung
• nicht den Frequenzmix durch die verschiedenen Anwendungen
• nicht die Membranpotentiale und andere Ströme und Frequenzen in den Zellen
• nicht die biologisch wirksame niederfrequente Taktung
• nicht die Spitzen-, sondern nur Mittelwerte
• nicht den kumulativen Effekt
• nicht verletzlichste Personen und Organismen
• nicht die gepulste Strahlung
• nicht eine Dauerdosis und Langzeitwirkungen

Zum letzten Punkt: Die ICNIRP muss in ihren Richtlinien einräumen, dass die Grenzwerte nur vor „kurzfristigen, unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen“ durch „erhöhte Gewebetemperaturen“ schützen. Seriöse Forschungen weisen aber auf den Zeitfaktor hin und bringen ihn in Verbindung mit der Dauernutzung des Handys und der Dauerbestrahlung durch Basisstationen. Intensität x Zeit = Wirkung, dieser kumulative Effekt wurde in der Grenzwertfestlegung unterschlagen. Die Mobilfunk-Grenzwerte haben weder einen Bezug zur Zeit noch zur Biologie. Die Grenzwerte haben mit den Menschen, die sie schützen sollen, nichts zu tun.

Die Grenzwerte sind also ein Bluff. Die Bundes¬regierung selbst hat bestätigt, dass die Grenzwerte keine medizinische Schutzkomponente enthalten. Die Grenzwerte schützen und legitimieren den ungehinderten Ausbau des Mobilfunks. Es liegen hunderte Forschungsergebnisse vor, die unterhalb der Grenzwerte Schädigungen nachweisen. Solange die Grenzwerte sich nicht an gesicherten biologischen und medizinischen Erkenntnissen über nicht-ther¬mische Auswirkungen orientieren, ist eine Diskussion, ob ein Grenzwert von 1.000 oder 100.000 μWatt/m2 schützt, spekulativ. Die Professoren Josef Lutz und Franz Adlkofer schreiben in ihrem Grenzwertartikel:

„In lebenden Organismen finden biologische Prozesse wie Zellteilung, Zelldifferenzierung etc. statt, die die Moleküle, speziell die DNA und die RNA sehr verletzbar machen. Chemische Verbindungen werden aufgebrochen und neue gebildet. DNA-Ketten werden geöffnet, vervielfältigt und neue Zellen werden gebildet. Eine viel tiefere Energieschwelle kann für eine Störung der zellulären Prozesse genügen. Es wird überhaupt sehr schwer sein, eine untere Energieschwelle zu definieren, um eine Störung in Lebensprozessen, für die die molekulare Instabilität eine Vorbedingung ist, auszuschließen.“

Deshalb sind die Werte, die der BUND fordert, heute vertretbar und notwendig – die Senkung der Grenzwerte um das 10 Millionenfache auf einen Vorsorgewert von 1 μWatt/m2, um die Risiken zu minimieren. Es gibt in Europa keine Versicherungsgesellschaft, die den Mobilfunk gegen Strahlenschäden versichert. Der Rückversicherer Swiss-Re stufte 2013 den Mobilfunk in die höchste Risikostufe ein. Klarer kann ein Risiko nicht bestehen: Unsicherer als unversicherbar kann ein (Grenz-) Wert nicht sein. Eine Krankenversicherung rät inzwischen sogar, mobile Schnurlos-Telefone im Haus abzuschaffen.