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12.12.2015. Messungen von Matthias Hampe, Professor für elektromagnetische Verträglichkeit, ergaben: Keine besorgniserregende Strahlenbelastung durch Mobilfunkmasten, so auch der Tenor der Badischen Zeitung (BZ) in dem Artikel So verstrahlt ist Freiburg.

Die BZ ist einem Bluff aufgesessen. Der Professor (1) ließ dort messen, wo garantiert wenig Strahlung ankommt. Das macht er nicht nur in Freiburg, sondern auch in Stuttgart, München, Frankfurt, bereits in 63 Städten (www.feldkarte.de). Risikokommunikation nennt man das: „Wir nehmen ihre Sorgen ernst und zerstreuen sie.“ Freiburger Leser baten diagnose:funk um eine Stellungnahme. Die Vorstandsmitglieder Jörn Gutbier und Peter Hensinger schrieben Leserbriefe an die BZ. Doch an einer Richtigstellung ist man nicht interessiert. Die BZ bittet „um Verständnis, dass wir dieses Mal auch Ihr Schreiben nicht abdrucken können.“ Deshalb hier die zwei nicht gedruckten Leserbriefe:

Schönwettermesserei

Leserbrief von Peter Hensinger

Freiburg ist nicht verstrahlt, sagt Professor Hampe. Auch in Stuttgart hat Herr Prof. Hampe im Stadtteil West messen lassen, auch auf der Straße. Alles im grünen Bereich. Und 200 Meter daneben gab es vor einiger Zeit von einem unabhängigen Institut in Stuttgart – West eine große Messreihe zum Worst-Case-Szenario. Ergebnis: auf der Straße geringe Werte, je höher die gemessenen Wohnungen, desto höher die Werte. In fünften Stockwerken Extremwerte bis zu 500 000 Mikrowatt/qm durch die Sendeanlagen. Wer also nur auf der Straße misst, täuscht wissentlich. Das ist Schönmesserei.
Ja, die Grenzwerte sind immer eingehalten. Der gültige Grenzwert ist so, als würde man die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 990 km/h festlegen, dann würde es keine Geschwindigkeitsüberschreitungen mehr geben und jeder könnte tun und lassen was er will. Dafür sind die Grenzwerte da. Der Grenzwert hat, das gibt sogar die Bundesregierung zu, keine medizinische Aussagekraft. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) fordert einen Grenzwert von 100 µWatt/m2 zur Gefahrenabwehr und 1 µWatt/m2 als Vorsorgewert. Und ich bin mir sicher, selbst die von Professor Hampe gefundenen Werte im Schönwetter- Straßen – Bereich liegen noch weit darüber. Der Artikel enthält kein einziges konkretes Messergebnis. Was ist daran Wissenschaft?

Leserbrief von Jörn Gutbier

Schön, dass Herr Prof. Hampe mit seinem Messungen das bestätigt, was die Bundesnetzagentur sowieso garantieren muss: Es gibt in Deutschland nur Mobilfunksendeanlagen-Standorte, die die deutschen Grenzwerte einhalten. Es ist gemäß der Grenzwertegrundlage also sichergestellt, das sich auf den Straßen von Freiburg niemand übermäßig erwärmen kann – denn nur davor schützt der deutsche Anlagen-Grenzwert. Die Messungen in Freiburg und der Bericht von Frau Gesell zeichnen leider ein falsches Bild der Lebensrealität und täuschen. Wie sieht es denn eigentlich in den Obergeschossen der Häusern gegenüber von Sendeanlagenstandorten in Freiburg aus – dort wo die Menschen wohnen und schlafen wollen? Vergleichsmessungen verschiedener Institute zeigen, dass dort die Mobilfunkstrahlung bis zu 10.000-fach (Leistungsflussdichte-Bezug) höher liegen kann als auf der Straße vor dem Haus, wo Prof. Hampe gemessen hat. Es wird auch nicht gesagt, dass die WHO seit 2011 Mobilfunkstrahlung als potenziell krebserregend eingestuft hat. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat mit einer eigenen aktuellen Wiederholungsstudie die Belege geliefert hat, dass Mobilfunkstrahlung schon weit unterhalb der deutschen Grenzwerte Krebstumore schneller wachsen lässt. Und die wissenschaftliche Datenbank der Bundesregierung liefert eine erdrückende Anzahl Studien , die zeigen, dass Mobilfunkstrahlung weit unterhalb der Grenzwerte zu Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme, Wahrnehmungsstörungen, EEG-Veränderungen, oxidativen Zellstress, Burnout, Fruchtbarkeitsschäden und vielerlei mehr führen kann. Es wäre also erforderlich, echte Worst-Case-Messungen vorzunehmen, nämlich dort, wo der Hauptstrahl ankommt, und als Kommune hier mit entsprechenden Konzepten vorsorgend tätig zu werden, um Emissionen zu begrenzen. Damit wäre dem Zeitungsleser und Bürger in Freiburg mehr geholfen als mit unkritischen Berichten über Placebo-Messungen.

 
(1) Anmerkung: Offensichtlich geht es auch nicht um Gesundheitsverträglichkeit, sondern technische Verträglichkeit, um bei dem Projekt selbstfahrendes Auto ins Geschäft zu kommen: „Vorerst wollen wir die Frage untersuchen, ob die umfangreichen Messdaten geeignet sind, um eine zuverlässige Ortung und Navigation zu ermöglichen. Dies kann beispielsweise bei der Steuerung und Überwachung autonomer Fahrzeuge vorteilhaft sein.“ (Homepage Institut Hampe)
Aus: http://www.ostfalia.de/cms/de/pws/hampem/Forschung/

 

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